Nachrichtensammlung

Deserteurdenkmal eingeweiht

Deserteurdenkmal eingeweiht

Deserteurenkmal eingeweiht Volker Lang / Anselm Gaupp Deserteurdenkmal eingeweiht

Hamburg bekommt ein neues, wichtiges Denkmal. Mit dem Gedenkort am Stephansplatz für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz sollen diese lange Zeit nicht anerkannten Opfer des Nationalsozialismus angemessen gewürdigt werden. Nach viereinhalbmonatiger Bauzeit wurde der Gedenkort nach dem Entwurf des Hamburger Künstlers Volker Lang heute von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz, gemeinsam mit dem Künstler und Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz und selbst Deserteur, eröffnet. Mit dem Deserteurdenkmal soll an diesem prominenten Ort ein wichtiges politisches Zeichen für Zivilcourage und Gerechtigkeit gesetzt werden. 

Volker Lang, Bildhauer: „Die zitierten Beispiele der Willkür des Vernichtungskrieges waren Motive der Desertion. Ihre Darstellung in Skulptur/Gitter und gesprochenem Wort schafft eine Differenz zu den beiden Denkmälern. Den Raum betretend wird der Betrachter selbst Teil der Arbeit. Die Wahrnehmung verändert sich. Der neudefinierte Ort kann ein Forum für Lesungen und Versammlungen gegen Krieg und Gewaltherrschaft werden.“

Volker Lang entwarf einen transparenten Baukörper in der Form eines gleichseitigen Dreiecks zwischen dem 76er-Denkmal von Richard Kuöhl und dem Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka. Zwei der drei Wände werden aus bronzenen Schriftgittern gebildet. Eine geschlossene Wand schließt den Raum zum Dammtordamm ab. Die Texte der Schriftgitter sind dem Werk „Deutschland 1944“ des Autors Helmut Heißenbüttel entnommen, das auch als Audioinstallation am Ort zu hören ist. Die historischen Informationen zum Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz werden als Text auf der Betonwand angebracht. Der Gedenkort wird durch acht großformatige Informationsstelen ergänzt, die in den nächsten Tagen und Wochen an den historischen Stätten der Wehrmachtjustiz, den ehemaligen Gerichtsgebäuden, den Haft- und Vollstreckungsorten und auf dem Ohlsdorfer Gräberfeld errichtet werden. Das Preisgericht hob hervor, dass der Entwurf durch ein zurückhaltendes und zugleich präsentes, klares Auftreten zwischen den beiden vorhandenen Denkmälern überzeugt.

In einer kostenlosen Broschüre informieren die Landeszentrale für politische Bildung und die Kulturbehörde über den Gedenkort, seine Entstehung und seine Geschichte. Die Publikation ist erhältlich im Info-Laden der Landeszentrale für politische Bildung (Dammtorwall 1, montags bis donnerstags von 12.30 bis 17 Uhr und freitags von 12.30 bis 16.30 Uhr). Zudem ist die Broschüre unter www.hamburg.de/gedenkort-fuer-deserteure als Download verfügbar.