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Tarifabschluss Banken

Tarifabschluss Banken

Hamburg - Die 40-köpfige Tarifkommission der privaten und öffentlichen Banken hat Anfang August mehrheitlich entschieden, dass sie das Angebot der Arbeitgeber annehmen will (Ergebnis siehe Tarifinfo August 2019) Zuvor  hatte ver.di alle seine Mitglieder – wo vorhanden per Email, ansonsten per Brief – gefragt, wie sie das Ergebnis bewerten. Die Mitglieder hatten 6 Wochen lang Zeit abzustimmen und betrieblicherseits aktiv zu werden und mehr Kollegen vom Zusammenhang zwischen aktiver Beteiligung am Arbeitskampf und Durchsetzung der Forderung zu überzeugen.

Bundesweit gesehen gab es starke Unterschiede sowohl in der Umfragebeteiligung als auch in der Befürwortung oder Ablehnung des Ergebnisses.

Man kann sagen, dass die Ablehnung des Verhandlungsergebnisses derer besonders hoch war, die besonders streikaktiv waren.  

Letztlich haben sich jedoch im Durchschnitt 65, 2 Prozent aller Mitglieder in Deutschland für eine Annahme des Tarifergebnisses ausgesprochen.

Insbesondere die Tarifkommissionsmitglieder der streikstärksten Betriebe mussten sich dem Votum der Masse widerwillig wenngleich solidarisch beugen und tragen das Ergebnis mit.

Bei der Abstimmung unter den Mitgliedern gab es keine vorgegebene  Quote. ver.di ist die Beteiligung der Mitglieder aber wichtig und die Umfrage diente den ehrenamtlichen Tarifkommissionsmitgliedern

als Entscheidungshilfe, ob durch mehr Beteiligung von mehr Bankbeschäftigten der Druck auf die Arbeitgeber intensiviert werden kann oder nicht.

Hamburgs Bankbeschäftigte haben indes in der Tarifauseinandersetzung der Banken 2019 an Bedeutung gewonnen und sich erstarkend zurückgemeldet. Zwar führte die Streikbeteiligung in der Hansestadt

noch nicht zu ausreichend Schließungen von Filialen und Abteilungen, aber im Vergleich zur schwachen Beteiligung bei der Tarifauseinandersetzung 2016 sind insbesondere in den Banken UniCredit, Hamburger Sparkasse, Commerzbank  und Deutsche Bank zahlreiche neue Aktive hinzugekommen. „Ihr Einsatz ist gar nicht hoch genug wertzuschätzen und ihr Werk fortzuführen indem wir alle gemeinsam immer weiter den Zusammenhang erklären, dass je mehr Mitglieder wir sind, desto mehr kommt am Ende dabei für sie heraus. Wir brauchen Mitglieder für den Erfolg am Verhandlungstisch und nicht für uns als Organisation. Die noch passiven Belegschaften können stolz auf ihre Aktiven sein, die mal wieder für alle immerhin kleine Kohlen aus dem Feuer geholt haben.

Außerdem ist eine hohe Identifikation mit der eigenen Bank und gleichzeitig Engagement mit ver.di kein Widerspruch. Bei aller Liebe zum Job, kann man auch mal die Arbeit niederlegen. Das ist keine Revolution, sondern so sollen laut Grundgesetz Tarifverhandlungen laufen. Wir werden uns jetzt ein Beispiel an den erfolgreichen aktiven Betrieben, z.B. aus Rheinland-Pfalz nehmen und daraus lernen, dann bekommen wir auch noch die Tariferhöhungen für die dieses Mal leider leeren* Monate von Februar bis Oktober 2019 hin, so Ira Gloe-Semler, Fachbereichsleiterin Finanzdienstleistungen, ver.di-Hamburg. 

Der Tarifvertrag der Banken war zu Ende Januar 2019 gekündigt worden. Bundesweit arbeiten rund 220.000 Menschen für private und öffentliche Banken und sind von dem Tarifvertrag Banken berührt.

Verhandlungspartner von ver.di ist auf Arbeitgeberseite der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes e.V..

Grundsätzlich gilt der Tarifvertrag nur für diejenigen Arbeitnehmer*Innen  unmittelbar wie ein Gesetz, dessen Arbeitgeber im Arbeitgeberverband ordentliches Mitglied ist und der/die selbst Mitglied einer Gewerkschaft ist. Für alle Nichtgewerkschaftsmitglieder lohnt sich eine Prüfung des Arbeitsvertrages auf eine so genannte Bezugnahmeklausel. Kontakt dazu: fb01.hh@verdi.de

Welche Bank  im Arbeitgeberverband ordentliches Mitglied ist, finden sie hier: https://www.agvbanken.de/AGVBanken/Der_Verband/Mitgliedsinstitute/index.asp 

*Als Leermonate werden in der Regel Monate bezeichnet, für die (mangels Kraft der gewerkschaftlichen Mitglieder) keine Lohnerhöhung durchgesetzt werden konnte. In diesem Fall hätte die zweiprozentige Tariferhöhung auch rückwirkend ab Februar 2019 gelten können.