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Personalbericht FHH - Glamour oder doch auch Schattenseiten?!

Personalbericht FHH - Glamour oder doch auch Schattenseiten?!

04.08.2022

Personalbericht der Freien und Hansestadt Hamburg 2022:

Glamour oder doch auch Schattenseiten?!

Zu dem im Juli 2022 veröffentlichten Personalbericht 2022 der Freien und Hansestadt Hamburg (Grundlage sind die Zahlen von 2021), erklärt Sieglinde Frieß, stellvertretende Landesbezirksleiterin ver.di HH„Staatsrat Jan Pörksen hat in seiner Presseerklärung festgestellt, dass die Dienststellen und Beschäftigten Hamburgs ihre Verwaltungsleistungen auf einem hohen Niveau aufrecht erhalten und krisenfest reagiert hätten. Dieser Tenor findet seine Verankerung im vorliegenden Personalbericht und suggeriert damit;´alles paletti‘ und ‚kann so weitergehen‘. Nichts ist von der hohen Belastung der überarbeiteten Kolleg*innen zu finden, nichts von dem ständigen Druck im Alltag. Gerade in den Bereichen, die mit den Bürger*innen zu tun haben, mussten die Beschäftigten immer über ihre Grenzen gehen und in der Pandemie nochmal ‚eins drauflegen‘. Zusätzliches Personal ist nur dann eingestellt worden, wenn die Lücke nicht mehr zu schließen war. Diese ‚neuen‘ Kolleg*innen wurden allerdings in der Regel nur befristet beschäftigt. In den Gesundheitsämtern beispielsweise wurde zusätzlich befristet eingestellt, dann wieder ‚runtergefahren‘ und im letzten Herbst wieder ‚hochgefahren‘. Ein Auf und Ab für die unbefristeten Kolleg*innen mit immer mehr Einarbeitungen und ein Auf und Ab für die Neuen. Gesund ist das nicht!“

Auch die Zahlen insgesamt verdeutlichten diese Politik, kritisiert Irene Hatzidimou, stellv. Fachbereichsleiterin für den Bereich öffentliche Dienstleistungen:  „Es sind wohl gut 1.500 Beschäftigte mehr als in 2020, aber diese sind vorrangig befristet beschäftigt gewesen. Eine nachhaltige Absicherung findet damit nicht statt. Pandemie vorbei, Personal weg! Nun wird mit Personalkostenbremse gedroht, für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine Zumutung. Es bleibt also dabei: Lücken werden geschlossen, andere Lücken ergeben sich, werden kurzfristig geschlossen …..und so weiter. Die sogenannte Personalkostenbremse bedeutet immer, dass ein Aufbau einen Abbau im anderen Bereich nach sich zieht. Für die Beschäftigten sind das katastrophale Verhältnisse, der Umgang mit ihrer hervorragenden und überragenden Leistung ist ohne Wertschätzung und Anerkennung.“

Zur ‚gesunkenen Krankheitsquote‘ im Personalbericht kommentiert Sieglinde Frieß: „Sie wird als Erfolg verkauft, anstatt in die Tiefe zu gehen: Warum sind die 1-3 Tage - Erkrankungen (Kurzzeit) gestiegen? Haben sich die Kolleg*innen wieder zur Arbeit gequält, um die anderen nicht allein zu lassen und die Aufgaben zu bewältigen? Warum haben die Langzeiterkrankungen ab 30 Tage zugenommen? Wird die Bewältigung der Arbeit auf Dauer immer weniger aushaltbar? Warum wurde nicht differenziert betrachtet? Etwa bei den Bezirksämtern war die Quote im Durchschnitt bei rund 10%, beim LEB über 11% und bei der Gebäudereinigung sogar über 23%. Das ist fast genauso viel wie in 2020 und relativiert den verkündeten Durchschnitt von 6,7% über alle Beschäftigten hinweg. All das heißt: eine Reduzierung der Krankheits - Quote bedeutet auf keinen Fall mehr Gesundheit!“

Thomas Auth-Wittke, Personalratsvorsitzender Bezirksamt Bergedorf erklärt hierzu: „Gerade in den Bezirken sind wir über alle Maßen belastet. Die Probleme und Fragen der Menschen häufen sich, das Personal wird weniger oder bleibt auf Stand. In den Publikumsdienststellen, den Kundenzentren, den Jugendämtern und Grundsicherungs- und Sozialämtern erleben wir besonders hohe Belastungen, was auch zu Langzeitkrankheit und doppelter Arbeit führt. Das ist seit Jahren ein Teufelskreis, der anscheinend nie endet. Anstatt über weniger Raum zu philosophieren, erwarten wir, dass sich der Arbeitgeber mit uns zusammensetzt und gute Arbeit für die Zukunft entwickelt. Allein das Homeoffice und die Digitalisierung werden die Probleme nicht lösen.“

Frieß weist auf Fluktuation und Fachkräftemangel hin: „Wenn nur befristet eingestellt wird, viele froh sind, in Rente gehen zu können und die Arbeit wenig aushaltbar ist, stellt sich die Frage, ob ein Arbeitsplatz bei der FHH ausreichend Attraktivität genießt? In der Summe heißt das für uns: Personal - Bremsen und ein damit verbundener Personal - Abbau sind nicht der richtige Weg, eine Konzeption für den tatsächlichen  Bedarf ist dringend geboten! Anerkennung und Wertschätzung bedeutet auch gesunde Arbeit mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen. Die nächsten Tarifrunden im ÖD werden zeigen, ob die Politik ihre Beschäftigten ernst nimmt!“