Arbeiterinnen und Arbeiter

Straßenaktion "Seniorenresidenz 2030"

Drohende Altersarmut

Straßenaktion "Seniorenresidenz 2030"

Willkommen in der Seniorenresidenz 2030

Niedriglohn und prekäre Arbeit führen zu Altersarmut

Stell dir vor, du hättest 1990 begonnen, als Reinigungskraft zu arbeiten. Du hattest es im Vergleich zu deinen Kolleginnen gut. Du durftest anfangs 40, später 38,5 Stunden in der Woche, also „vollzeit“, arbeiten und warst tatsächlich sozialversichert.

So geht es Susi. Sie wird 40 Jahre arbeiten. Und sie wird, wenn sie 2030 in die wohlverdiente Rente geht, auf ein durchschnittliches Einkommen von 1.873 Euro zurückblicken. Nicht viel, aber es reicht irgendwie für ein selbstbestimmtes Leben. Doch dann wird die Rente kommen – und das macht ihr Angst.

Denn sie wird mit 718 Euro auskommen müssen. „Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig“, sagen dazu die Gewerkschaften. Susi wird die sogenannte Grundsicherung beantragen müssen und ihre knappe Rente aufstocken lassen. Mit Würde im Alter, nach 40 Jahren Berufstätigkeit, hat das wenig gemein.

Doch Susi, die Reinigungskraft, wird damit nicht allein sein. Auch Anne, die Bürokauffrau und Karin, die Erzieherin, werden zu Aufstockerinnen werden. Sigrid, die Verwaltungsangestellte und Rüdiger, der Einzelhandelskaufmann, werden „bass erstaunt“ sein, dass auch sie sich „Stütze“ vom Amt werden holen müssen.

Die Aussicht auf Altersarmut reicht weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. Darauf haben die ver.di-Aktivisten mit der  „Seniorenresidenz 2030“ aufmerksam gemacht.

Schlichte Wurfzelte versinnbildlichen die Aussicht auf Armut im Alter für einen Großteil der Bevölkerung. „Deshalb müssen wir zu mehr und besseren Tarifverträgen kommen“, sagt einer der Organisatoren der Aktion, Paketzusteller Olaf Könemann. „Vor allem anständige Löhne schützen vor Altersarmut! Damit nicht immer mehr Menschen mit Mini-Löhnen abgespeist werden, brauchen wir als untere Haltelinie einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro- und zwar möglichst bald.“ Ein höherer Mindestlohn sei zudem ein perfektes Konjunkturprogramm in Zeiten der Corona-Krise. „Der Konsum macht die Hälfte des bundesdeutschen Bruttosozialproduktes aus.“

Auf eine solche „Finanzspritze“ hofft auch Susi. Gerade für die Kolleginnen, die noch schlechter bezahlt werden als sie, nämlich nur nach Mindestlohn - sei es auch nur zeitweilig. Deren „Dellen“ im Erwerbsleben wären dann nicht so tief – und die entsprechende Rente später höher. Aber auch Susi selbst würde davon profitieren, wenn die Einstiegslöhne bei 12 Euro und darüber lägen. Denn dann müsste auch die Bezahlung erfahrenerer Kolleginnen und Kollegen entsprechend angepasst werden. Deshalb unterstützt ver.di Hamburg die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro, der bereits ab 2021 gelten soll. Dafür kämpft Olaf Könemann auch mit einer Petition, die bereits über 100.000 Menschen unterschrieben haben auf  change.org . Er freut sich, dass zudem der 'MiLo12' eines der acht Themen der selbstorganisierten Volksabstimmung  abstimmung21.de  zu bundespolitischen Themen geworden ist, und hofft auf eine rege Beteiligung der Ottenserinnen und Ottenser.

Matthias Bartke, SPD, Mitglied des Bundestages und dort Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, hat die Aktion besucht und Unterstüzung beim Einsatz für 12 Euro Mindestlohn zugesichert.