Antirassismus

Nominierungen Paula-Mielke-Preis

Sechs Projekte sind nominiert

Nominierungen Paula-Mielke-Preis

Der ver.di-Landesbezirk Hamburg wird in diesem Jahr erstmalig den Paula-Mielke-Preis nach der gleichnamigen Antifschistin Paula Mielke benannt, vergeben. Mit dieser Auszeichnung sollen Menschen gewürdigt werden, die im Geiste von Antirassismus und Antifaschismus in Betrieben und/oder als Gewerkschafter/innen eintreten und sich darüber hinaus für Toleranz, Chancengleichheit und ein solidarisches Miteinander gegen Fremdenfeindlichkeit und Gleichgültigkeit engagieren.
Die Auszeichnung mit dem Paula-Mielke-Preis und die Bekanntgabe der Preisträger_innen findet am 23. November statt.

Paula-Mielke-Preis 2016 - Kurzfassung der nominierten Projekte/Personen

  • Betriebsgruppe Bezirksamt Hamburg-Nord

    Regelmäßige Spurensuche und jährliches Gedenken | Die Betriebsgruppe Bezirksamt Hamburg-Nord führt jährlich am 27. Januar anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz eine Gedenkfeier im Bezirksamt durch. Darüber hinaus erscheint regelmäßig die Betriebsgruppenzeitung Blickwinkel. In dieser begeben sich die Autor_innen auf Spurensuche der Opfer, an die mit Stolpersteinen im Bezirksamt Nord erinnert wird. Zusätzlich gibt es in der Betriebsgruppenzeitung eine Rubrik, in der Straßennamen und deren Hintergründe und Opfer des Faschismus benannt werden.

  • Belegschaft des Deutschen Schauspielhauses Hamburg

    Ehrenamtliches Engagement von rd. 200 Beschäftigten für Geflüchtete | Am 12.09.2015, dem „Tag der Patrioten“ in Hamburg suchten Geflüchtete Schutz vor den Rechten im Bahnhof. Das Schauspielhaus und die Intendatin Karin Beier öffneten spontan das Schauspielhaus. Dank des ehrenamtlichen Engagements von rund 200 Beschäftigten des Schauspielhauses fanden 3.500 – 4.000 Geflüchtete, meist Frauen und Kinder, die am Hauptbahnhof in Hamburg ankamen, Ansprache, einen Schlafplatz und Versorgung und Verpflegung. Die Initiative dauerte von Mitte September bis Weihnachten 2015, war ehrenamtlich und wurde von den Beschäftigten des Schauspielhauses getragen. Die Belegschaft konnte Übernachtungsmöglichkeit, Verpflegung und das Notwendigste an Kleidung, Schuhen und sonstiger Ausstattung anbieten.
    Die Initiative wirdausschließlich von den Beschäftigten, also nicht von der Theaterleitung, getragen. Die gesamte Unterstützung wurde rein ehrenamtlich und selbstorganisiert ermöglicht. Die Beschäftigten setzten sich in Tag- und Nachtschichten über mehrere Monate ein und erklären, auch weiterhin bei Bedarf helfen zu wollen.

  • Betriebsgruppe BASFI, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

    Gelebte Gedenkkultur | Die Betriebsgruppe war die erste, die den Arbeitskreis ver.di AntiRa in eine Betriebsgruppensitzung einlud. Gemeinsam wurden Vorschläge erarbeitet, wie gegen Rassismus und grenzwertige Äußerungen und Bemerkungen in der Behörde entgegengewirkt werden kann. Darüber hinaus hat sich die Betriebsgruppe für eine Gedenktafel für Helmuth Hübner eingesetz. 1941 begann der Hamburger Helmuth Hübner eine Lehre in der Hamburger Sozialbehörde. Er hat als Gegner des Naziregimes die unmenschliche Lügenpropaganda nationalsozialistischer Wehrmachtsberichte und Nachrichtensendungen entlarvt, indem er Nachrichten ausländischer Radioberichterstattungen ausgewertet und die gesammelten Informationen unter Lebensgefahr weiter verbreitet hat. Er wurde von einem vorgesetzten Mitarbeiter der damaligen Sozialbehörde denunziert, trotz seines jungen Alters von 17 Jahren zum Tode verurteilt und als jüngster Widerstandskämpfer am 27. Oktober 1942 in Berlin Plötzensee ermordet.
    Mit regelmäßigen Gedenkfeiern anlässlich des Todestages des jungen Widerstandskämpfers Helmuth Hübner, würdigt die Betriebsgruppe sein mutiges Eintreten für den Widerstand gegen Unrecht, Gewalt, Faschismus und Krieg.

  • Beschäftigte fördern & wohnen AöR in der Unterbringung Farmsen-Berne

    Erinnerungskultur für das Gelände des ehemaligen „Frauen-Arbeitslager Farmsen“| Die ver.di Mitglieder- „Gruppe“ ist dabei, eine Erinnerungskultur für das Gelände zu erkämpfen. Auf dem Gelände selbst gibt es bislang keinen Hinweis auf das ehemalige größte „Frauen- Asozialen-Lager“. Das Frauen-Arbeitslager Farmsen ist vollständig in Vergessenheit geraten. Nun soll es zu einem würdigen Gedenken kommen. Die ver.di-Mitglieder „Gruppe“ engagiert sich in ihrer Freizeit dafür, dass diesen Frauen gedacht wird. In Zusammenarbeit mit der anliegenden Schule mobilisieren sie für eine Gedenkstättenarbeit. Derzeit wird das Gelände von f&w für die Obdachlosenunterbringung und für Flüchtlinge genutzt. Sie werden einem Luxusbau weichen müssen.
    Hier ein kleiner Hinweis auf die zwangssterilisierten Zwangsarbeiterinnen. Sie wurden auch zur Zwangsprostitution in den KZs angehalten. Für null Mark Entschädigung oder gar Rente haben sie die Wäsche der FHH gewaschen, geputzt, gebacken und geschuftet:
    http://zentralrat-der-asozialen.de/speakers/erinnern
    Hier ein Film über die Geschichte: http://mpz-hamburg.de/bestellen/was-hat-hamburg-nur-mit-euch-frauen-gemacht

  • Bea(trice) Trampenau

    Langjähriges antifaschistisches Engagement | Bea ist Geschäftsführerin der Antifaschistischen Begegnungsstätte Heideruh - ein Heim gegen das Vergessen und des Hamburger Lebensvereins Intervention e.V. Sie engagiert sich bei der VVN-BDA. Seit 30 Jahren engagiert sich Bea lesbisch-feministisch und antifaschistisch. Widerständig und unangenehm für die einen, aufmunternd, anspornend und ideenreich für die anderen. Bea Trampenau ist Bewegungsarbeiterin.
    Als Tochter des Wilhelmsburger Widerstandskämpfers Richard Trampenau, der von 1933 bis 1945 im Zuchthaus Celle inhaftiert war, hält Bea das Gedenken an die verfolgten des Naziregimes aufrecht. Zu ihren Themen gehören u.a. die Aufarbeitung der Verfolgung von Lesben und Schwulen während der Zeit des Nationalsozialismus und die Sichtbarmachung von lesbischen Opfern der Nazi-Diktatur. Dazu hält sie auch immer wieder Vorträge, z.B. bei der letzten Sitzung des Bundesarbeitskreises LSBTI in ver.di im November 2015 im Hamburger Gewerkschaftshaus. Aktuell engagiert sich Bea darüber hinaus bei Runden Tischen gegen Rassismus und Trans- sowie Homophobie, der sich u.a. der Verbesserung der Betreuung und der Unterstützung von LSBTI Flüchtlingen und dem Aufbau einer dringend benötigten Datenbank widmet. Für den Runden Tisch nahm Bea z.B. am Flüchtlingsforum am 18.12.2015 in der Fischauktionshalle teil.

  • Beschäftigte von DESY

    DESYaner_innen helfen Geflüchteten | Standort Hamburg: Stefanie Fahlfeder, Sonja Gebert, Carolin Hahn und Thomas Schörner-Sadenius. Standort Zeuthen: Ulrike Behrens als Koordinatorin und Ansprechpartnerin für die vielen Aktivitäten und viele ungenannte DESYaner_rinnen.
    In der direkten Nachbarschaft DESYs sind einige Unterkünfte für Geflüchtete entstanden (z.B. August-Kirch-Straße, Notkesstraße, Albert-Einstein-Ring) und in diesem Jahr werden noch einige folgen bzw. sind in Planung oder werden erweitert (z.B. Parkplatz für die Arenen“Parkplatz grün“, Notkestraße). Der „Parkplatz grün“ ist übrigens ein mögliches Erweiterungsgelände von DESY. Insbesondere auf dem heutigen Erweiterungsgelände von DESY in der Notkestraße ist eine Folgeunterkunft für Geflüchtete geplant, DESY hat dieses Gelände vorübergehend zur Verfügung gestellt. In der Nähe vom DESY Gelände Zeuthen ist ein Jugendcamp alleinreisender Kinder und Jugendlicher. Das bedeutet eine Veränderung in der Nachbarschaft und die damit verbundene Entwicklung wurde und wird von den Beschäftigten interessiert beobachtet. Viele Beschäftigte haben in Gesprächen festgestellt, dass sie ein gemeinsames Interesse haben, diesen Menschen in der Nachbarschaft zu helfen. Erste Ideen entstanden, wie man helfen kann. Schnell wurde eine Website zur Verfügung gestellt, die die Aktivitäten sammelt, Informationen zur Verfügung stellt und Ansprechpartner_innen nennt.
    Gleichzeitig wurde ein sog. „Runder Tisch“ ins Leben gerufen, der Interessierten eine Möglichkeit bietet, sich mit anderen auszutauschen, neue Aktivitäten zu planen und oder nachzubereiten.
    DESY-Beschäftigte sind besonders daran interessiert, Geflüchtete so zu unterstützen, dass die Hilfe nachhaltig ist. Deshalb wird durch den Kontakt zu den Betreibern der Unterküfte Rotes Kreuz und födern & wohnen herausgearbeitet, welche konkreten Maßnahmen, Veranstaltungen und Beschäftigungsangebote helfen und / oder von den Geflüchteten angenommen werden. Durch das ehrenamtliche Engagement von Beschäftigten werden viele unterschiedliche und damit auch vielseitige Hilfsangebote gemacht, die in der Regel niedrigschwellig sind. Der Arbeitgeber unterstützt die Aktionen durch die Bereitstellung von Infrastruktur, durch das Verteilen von Informationen und ermutigt die Beschäftigten sich daran zu beteiligen.