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2018: Viele Tarifrunden und Kampf gegen prekäre Jobs

2018: Viele Tarifrunden und Kampf gegen prekäre Jobs

27.12.2017

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert in Hamburg für das kommende Jahr starke Gehaltserhöhungen, auch um Armut und prekäre Arbeit zu bekämpfen. Dazu gehört laut ver.di Hamburg die Rückkehr zur Tarifbindung und ein Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde. In vielen Dienstleistungsbranchen stehen Tarifrunden an.

Auch im Jahr 2018 wird ver.di über 100 Tarifverträge für Hamburger Beschäftigte verhandeln und abschließen. Damit profitieren wieder rund 40 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer von ver.di-Tarifverträgen in der Hansestadt. Die anstehenden Tarifrunden finden unter anderem bei der DEUTSCHEN POST AG, der DEUTSCHEN TELEKOM AG, den Hamburger Krankenhäuser, aber auch beim TÜV und dem Öffentlichen Dienst im Bereich des Bundes und der städtischen Betriebe statt.

Zusätzlich zu den Tarifrunden wird sich ver.di Hamburg im nächsten Jahr stark machen gegen prekäre Beschäftigung und schlechte Bezahlung. Dazu gehört auch das Engagement gegen Tarifflucht und Dumpinglöhne. So sind beispielsweise nur noch ein Viertel der Hamburger Einzelhandelsunternehmen im Arbeitgeberverband und zahlen Tariflohn. ver.di fordert in dieser Branche bereits seit längerem eine Rückkehr zu einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag, der dann wieder, wie früher üblich, für alle Einzelhändler gilt.

Dazu Berthold Bose, Landesbezirksleiter von ver.di Hamburg: „Es gibt einen Mainstream unter den Arbeitgebern, der Konkurrenz im Markt komplett auf dem Rücken der Beschäftigten austrägt. Das ist unerträglich und muss in einer öffentlichen Debatte wieder geändert werden. Bis dahin braucht es politische Unterstützung und die Sicherheit allgemeinverbindlicher Tarifverträge, um Armut durch untertarifliche Bezahlung einzudämmen.“

Auch in anderen Bereichen stößt ver.di zunehmend auf Arbeitgeber die mauern und sich Tarifverträgen entziehen. So verweigert zum Beispiel die FRISEUR-INNUNG HAMBURG Verhandlungen über einen Tarifvertrag für die rund 700 Auszubildende im Hamburger Friseurhandwerk. Statt dessen versucht die Innung eine Tarifbindung mit ver.di zu umgehen, indem sie sich eine Vereinigung Namens „Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“ (GÖD) gesucht hat, deren Dachverband laut Medien immer wieder mit Gefälligkeitstarifverträgen für Arbeitgeber entlarvt wurde und dessen Mitgliedsorganisationen wiederholt von Arbeitsgerichten die Tariffähigkeit aberkannt wurde. 

Prekäre Beschäftigung und untertarifliche Bezahlung scheinen als Phänomen insgesamt zuzunehmen. Laut jüngsten Daten des KÖLNER INSTITUTS DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT hat sich die Zahl der Nebenjobs von 2003 bis heute verdoppelt. Am stärksten im Dienstleistungssektor. Daher fordert ver.di Hamburg neben der Rückkehr zur Tarifbindung eine starke Erhöhung in den unteren Gehaltsgruppen. Um ein auskömmliches Leben in einer teuren Metropole wie Hamburg zu führen und der Gefahr der Altersarmut entgegen zu wirken, bedarf es gerade im Niedriglohnsektor angemessener Lohnerhöhungen. Hier hält ver.di eine zügige Weiterentwicklung des gesetzlichen Mindestlohnes für notwendig. Die Gewerkschaft begrüßt dabei den Vorschlag von Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz, den Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde zu erhöhen.

„Neben Pflegekräften, Beschäftigten in Logistikunternehmen wie DHL, Friseuren, im Sicherheitsgewerbe, bei den Bodenverkehrsdiensten am Flughafen oder bei der Abfertigung von Kreuzfahrtschiffen gibt es viele weitere Beschäftigtengruppen, die sich am unteren Ende der möglichen Entlohnung befinden“, sagt Bose. „Selbst wenn der Lohn ausreicht, um gerade alles Nötige zu bezahlen ist für Viele klar: im Alter droht die Altersarmut! Ein gesetzlicher Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde wäre ein richtiger Schritt im Interesse der Schwächsten in unserer Gesellschaft und eine notwendige Maßnahme für eine auskömmliche Rente.“